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Hüftschmerzen beim Liegen auf der Seite

Nachts wach, weil die Hüfte auf der Matratze brennt? Meist steckt keine «Schleimbeutelentzündung» dahinter, sondern eine gereizte Sehne – und ausgerechnet die beliebteste Selbsthilfe verschlimmert sie oft. Was die Aussenseite der Hüfte wirklich beruhigt.

Frau liegt nachts wach in Seitenlage im Bett und fasst sich mit der Hand an die schmerzende Hüftaussenseite

Ein brennender oder pochender Schmerz an der Aussenseite der Hüfte, der genau dann am schlimmsten ist, wenn man sich zum Schlafen auf die Seite legt: Dieses Muster kennen vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Häufig fällt das Wort «Schleimbeutelentzündung» – doch die Forschung zeichnet ein anderes, hilfreicheres Bild. Dieser Beitrag erklärt, was wirklich hinter dem nächtlichen Hüftschmerz steckt, warum ein verbreiteter Dehn-Tipp ihn verschlimmern kann und wie Sie Schlaf und Aussenseite Schritt für Schritt beruhigen.

Die kurze Antwort

Schmerzen an der Hüftaussenseite, die beim Liegen auf der Seite auftreten, gehen meist auf eine Reizung der Gluteal-Sehnen zurück – also der Sehnen, mit denen die seitlichen Gesässmuskeln am Oberschenkelknochen ansetzen. Fachleute sprechen vom «Grosser-Rollhügel-Schmerzsyndrom» (englisch greater trochanteric pain syndrome). Beim Seitenliegen presst das Gewicht diese Sehnen gegen den Knochen, und über Stunden hinweg wird daraus ein nächtlicher Dauerschmerz.

Das ist eine gute Nachricht: Anders als bei einer reinen Entzündung liegt der Schlüssel nicht in Ruhe und Kortison, sondern in kluger Entlastung im Schlaf und gezielter Kräftigung. Die folgenden Abschnitte zeigen, worauf es dabei ankommt.

Warum die Hüfte in Seitenlage schmerzt

Warum schmerzt die Hüfte beim Liegen auf der Seite?

Am seitlichen Knochenvorsprung der Hüfte – dem grossen Rollhügel, dem harten Punkt, den Sie unter der Haut tasten können – setzen die Sehnen der mittleren und kleinen Gesässmuskeln an. Diese Muskeln halten das Becken beim Gehen und Stehen stabil. Legen Sie sich auf die Seite, wirkt gleich doppelt Druck auf diese Sehnen: Auf der unteren Seite lastet das Körpergewicht direkt auf dem Rollhügel, auf der oberen Seite kippt das Bein oft nach innen über die Körpermitte und klemmt die Sehne gegen den Knochen ein.

Dieses Einklemmen wird als Kompression bezeichnet und gilt als zentraler Reiz bei diesem Beschwerdebild. Eine bereits empfindliche Sehne verträgt Zug meist besser als anhaltenden seitlichen Druck. Genau deshalb meldet sich der Schmerz nachts so deutlich: Beim Liegen fehlt die Bewegung, die tagsüber für Abwechslung sorgt, und die Sehne wird stundenlang zusammengedrückt. Viele Betroffene wachen mehrmals auf oder finden nur auf dem Rücken Ruhe.

Sehne statt Schleimbeutel: der übersehene Unterschied

Was ist eine Schleimbeutelentzündung der Hüfte?

Ein Schleimbeutel ist ein kleines, mit Flüssigkeit gefülltes Gleitpolster, das an Reibungsstellen zwischen Sehne und Knochen sitzt. Ist es gereizt, spricht man von einer Schleimbeutelentzündung, medizinisch Bursitis. Am grossen Rollhügel galt diese «Trochanter-Bursitis» jahrzehntelang als Standarderklärung für seitliche Hüftschmerzen – ein Etikett, das noch heute oft vergeben wird.

Die moderne Bildgebung hat dieses Bild korrigiert. Untersuchungen mit Ultraschall, Kernspintomografie und aus Operationen zeigen, dass bei anhaltenden seitlichen Hüftschmerzen meist die Gluteal-Sehnen selbst verändert sind – also eine Sehnenreizung (Tendinopathie) vorliegt. Der Schleimbeutel ist häufig nur mitgereizt, nicht die eigentliche Ursache. Das ist mehr als Wortklauberei: Eine reine Entzündung würde man ruhigstellen, eine gereizte Sehne dagegen braucht dosierte Belastung, um wieder belastbar zu werden. Wer das Problem für eine simple Entzündung hält, wählt leicht die falsche Strategie.

💡 Gut zu wissen

Sehnen mögen keine Extreme. Zu viel Belastung reizt sie, dauerhafte Schonung schwächt sie. Der Weg heraus führt über einen mittleren, langsam ansteigenden Reiz – nicht über wochenlanges Stillhalten. Deshalb ist «Ausruhen bis es weg ist» bei Sehnenbeschwerden selten der beste Rat.

Der häufigste Fehler: die Hüfte «dehnen»

Wenn es irgendwo im Körper spannt oder schmerzt, ist der erste Reflex vieler Menschen: dehnen. Bei der Hüftaussenseite ist genau das oft kontraproduktiv. Die typischen Dehnübungen ziehen das betroffene Bein über die Körpermitte – etwa das Knie im Sitzen zur Gegenseite ziehen, im Liegen das Bein überschlagen oder im «Taubenstellung»-artigen Dehnen. Alle diese Positionen bringen den Oberschenkel in die sogenannte Adduktion, und genau dabei wird die Gluteal-Sehne am stärksten gegen den Rollhügel gepresst.

Kurz gesagt: Was sich anfühlt wie wohltuendes Lockern, ist für die gereizte Sehne oft eine wiederholte Kompression. Kein Wunder, dass der Schmerz nach solchen Dehnprogrammen manchmal schlimmer wird statt besser. Der sinnvollere Ansatz dreht die Logik um – weg vom Dehnen, hin zum Entlasten und Kräftigen. Dazu gehört auch, Alltagsgewohnheiten zu erkennen, die dieselbe Kompression erzeugen.

Bewegungen, die die Gluteal-Sehne komprimieren – und schonendere Alternativen. Keine individuelle Behandlungsempfehlung.
Besser meidenSchonendere Alternative
Beine im Sitzen übereinanderschlagenBeide Füsse nebeneinander auf den Boden stellen
Im Stehen die Hüfte in eine Seite «hängen» lassenGewicht gleichmässig auf beide Beine verteilen
Dehnübungen mit dem Bein über die KörpermitteKräftigung der seitlichen Gesässmuskeln
Auf der schmerzenden Seite schlafenRückenlage oder schmerzfreie Seite mit Kissen
Tief in einen weichen Sessel einsinkenHöhere, feste Sitzfläche mit Hüfte über Kniehöhe

Besser schlafen mit Hüftschmerzen

Wie soll man bei Hüftschmerzen schlafen?

Weil der nächtliche Schmerz vor allem durch Druck und Einklemmen entsteht, setzt die Schlafhygiene genau dort an. Die schonendste Position ist meist die Rückenlage. Ein flaches Kissen unter den Knien nimmt zusätzlich Spannung aus der Hüfte. Wer partout auf der Seite schlafen möchte oder nachts unweigerlich dorthin rollt, kann den Druck mit einfachen Mitteln deutlich verringern:

Diese Anpassungen wirken nicht über Nacht, aber viele Betroffene berichten schon nach einigen Tagen von ruhigerem Schlaf. Wichtig: Es geht nicht darum, sich zu einer «richtigen» Position zu zwingen, sondern die Sehne über die Nacht so wenig wie möglich einzuklemmen.

Übungen für die Hüftaussenseite

Welche Übungen helfen bei Hüftschmerzen an der Aussenseite?

Das Ziel ist nicht mehr Beweglichkeit, sondern mehr Belastbarkeit der Sehne. Deshalb steht Kräftigung im Vordergrund – und zwar so, dass die Sehne belastet, aber nicht komprimiert wird. Bewegungen, bei denen das Bein über die Mittellinie zieht, bleiben dabei aussen vor. Die folgenden Übungstypen gelten in Fachkreisen als sinnvoller Einstieg; die genaue Auswahl und Dosierung stimmen Sie am besten mit einer Physiotherapeutin ab:

Als Faustregel gilt: Ein leichtes Ziehen während der Übung ist in Ordnung, solange der Schmerz danach und am nächsten Morgen nicht deutlich zunimmt. Sehnen reagieren langsam – Fortschritt zeigt sich über Wochen, nicht über Tage. Wer hier zu schnell steigert, riskiert Rückschläge.

⚠️ Wichtig

Plötzliche, starke Hüftschmerzen nach einem Sturz, eine sichtbare Fehlstellung des Beins, Fieber mit Hüftschmerz oder eine Hüfte, die sich nicht mehr belasten lässt, gehören umgehend ärztlich abgeklärt. Das sind keine typischen Sehnenbeschwerden. Im medizinischen Notfall gilt in der Schweiz die Nummer 144.

Was die Forschung zur Behandlung zeigt

Lange Zeit war die Kortisonspritze in den Rollhügel die Standardbehandlung. Sie kann kurzfristig Schmerzen lindern, doch für die Sehne selbst ist sie keine Lösung. Eine randomisierte Studie aus Australien verglich drei Wege: eine Kortisonspritze, ein angeleitetes Programm aus Aufklärung zur Entlastung plus Kräftigungsübungen sowie blosses Abwarten. Nach acht Wochen und auch nach einem Jahr schnitt das Übungs- und Aufklärungsprogramm bei Schmerz und Gesamteinschätzung am besten ab.

Der Kern dieses Programms war genau das, was dieser Beitrag beschreibt: verstehen, welche Alltagshaltungen die Sehne komprimieren, diese meiden und die seitlichen Gesässmuskeln schrittweise kräftigen. Internationale Befragungen von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten bestätigen, dass Aufklärung und Übung heute die Basis der Behandlung bilden. Passive Massnahmen wie Massage oder Elektrotherapie werden zwar häufig ergänzt, ihr eigenständiger Nutzen ist bei diesem Beschwerdebild aber nicht gut belegt.

Wenn Sie den nächsten Schritt planen, kann es hilfreich sein, vorab zu wissen, wie eine physiotherapeutische Behandlung abläuft oder welche Verfahren wie manuelle Therapie überhaupt infrage kommen – dazu bietet der Physiotherapie-Ratgeber der Physiothek eine geordnete Übersicht. Für die Terminplanung lohnt ausserdem ein Blick darauf, wie Sie einen Termin fair und rechtzeitig verschieben, falls es doch einmal nötig wird.

Wann zur Ärztin oder Physiotherapeutin?

Viele seitliche Hüftschmerzen bessern sich mit den beschriebenen Anpassungen. Fachlichen Rat sollten Sie einholen, wenn die Beschwerden trotz Entlastung über mehrere Wochen anhalten, den Schlaf dauerhaft rauben oder sich verschlimmern. Eine Physiotherapeutin kann die Ursache einordnen, andere Auslöser wie Hüftarthrose oder Beschwerden aus dem unteren Rücken abgrenzen und ein Übungsprogramm passend zu Ihrer Belastbarkeit aufbauen.

Sinnvoll ist ärztliche Abklärung auch, wenn zusätzlich Symptome wie ausstrahlende Schmerzen ins Bein, Taubheit oder eine spürbare Schwäche auftreten. Solche Zeichen können auf andere Quellen hinweisen und verdienen eine gezielte Untersuchung. Grundsätzlich gilt: Je früher eine gereizte Sehne die richtige Belastung erhält, desto günstiger verläuft sie meist.

Häufige Fragen

Warum schmerzt die Hüfte beim Liegen auf der Seite?

Beim Liegen auf der Seite drückt das Körpergewicht die Sehnen der seitlichen Gesässmuskeln gegen den grossen Rollhügel des Oberschenkelknochens. Diese Kompression reizt eine bereits überlastete Sehne zusätzlich und löst den typischen Schmerz an der Hüftaussenseite aus – besonders nachts, wenn die Hüfte über Stunden auf der schmerzhaften Seite oder in der oberen, überschlagenen Position liegt. Häufigste Ursache ist eine Gluteal-Sehnenreizung, seltener eine reine Schleimbeutelentzündung.

Wie soll man bei Hüftschmerzen schlafen?

Am schonendsten ist die Rückenlage, gern mit einem flachen Kissen unter den Knien. Wer auf der Seite schläft, legt sich möglichst auf die schmerzfreie Seite und schiebt ein festes Kissen zwischen Knie und Unterschenkel, damit das obere Bein nicht nach innen fällt und die Sehne einklemmt. Ein weicheres Matratzenpolster oder ein Topper verringert den Druck auf die Hüftaussenseite. Die schmerzhafte Seite als direkte Liegefläche sollte man meiden.

Was ist eine Schleimbeutelentzündung der Hüfte?

Ein Schleimbeutel ist ein kleines, mit Flüssigkeit gefülltes Gleitpolster zwischen Sehne und Knochen. Bei der Schleimbeutelentzündung (Bursitis) am grossen Rollhügel ist dieses Polster gereizt und schmerzt an der Hüftaussenseite. Lange galt sie als Hauptursache seitlicher Hüftschmerzen. Bildgebende und operative Untersuchungen zeigen jedoch, dass meist die benachbarten Gluteal-Sehnen das eigentliche Problem sind und der Schleimbeutel oft nur mitgereizt ist.

Welche Übungen helfen bei Hüftschmerzen an der Aussenseite?

Sinnvoll sind Übungen, die die seitlichen Gesässmuskeln kräftigen, ohne die Sehne einzuklemmen – etwa isometrisches Anspannen im Stand, Beckenstabilität im Einbeinstand oder Brückenübungen. Bewegungen, bei denen das Bein über die Körpermitte zieht, sollte man meiden, weil sie die Sehne komprimieren. Ein schrittweise gesteigertes Kräftigungsprogramm zeigte in einer randomisierten Studie bessere Ergebnisse als eine Kortisonspritze oder blosses Abwarten. Die Auswahl stimmt man am besten mit einer Physiotherapeutin ab.

Hilft Dehnen bei Hüftschmerzen an der Aussenseite?

Meist nicht – im Gegenteil. Klassische Dehnübungen ziehen das Bein über die Körpermitte und pressen dabei die gereizte Gluteal-Sehne gegen den Knochen. Das kann den Schmerz verstärken statt lindern. Günstiger als Dehnen sind Entlastung im Alltag und gezielte Kräftigung der seitlichen Gesässmuskeln.

Wie lange dauern seitliche Hüftschmerzen?

Sehnenbeschwerden bessern sich langsam. Mit konsequenter Entlastung im Schlaf und einem passenden Kräftigungsprogramm zeigen sich häufig über mehrere Wochen bis Monate Fortschritte. Halten die Schmerzen trotz Anpassungen an oder verschlimmern sie sich, ist eine Abklärung bei einer Ärztin, einem Arzt oder einer Physiotherapeutin ratsam.

Quellen

  1. Mellor R, Bennell K, Grimaldi A, et al. Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy: prospective, single blinded, randomised clinical trial. BMJ 2018;361:k1662. doi:10.1136/bmj.k1662
  2. Mellor R, Grimaldi A, Wajswelner H, et al. Exercise and load modification versus corticosteroid injection versus 'wait and see' for persistent gluteus medius/minimus tendinopathy (the LEAP trial): a protocol for a randomised clinical trial. BMC Musculoskelet Disord 2016;17:196. doi:10.1186/s12891-016-1043-6
  3. Grimaldi A, Fearon A. Gluteal Tendinopathy: Integrating Pathomechanics and Clinical Features in Its Management. J Orthop Sports Phys Ther 2015;45(11):910–922. doi:10.2519/jospt.2015.5829
  4. Mary McMillan R, Ganderton CL, Cook J, et al. Does Menopausal Hormone Therapy, Exercise, or Both Improve Pain and Function in Postmenopausal Women With Greater Trochanteric Pain Syndrome? A 2×2 Factorial Randomized Clinical Trial. Am J Sports Med 2022;50(2):515–525. doi:10.1177/03635465211061142
  5. French HP, Woodley SJ, Fearon A, O'Connor L, Grimaldi A. Physiotherapy management of greater trochanteric pain syndrome (GTPS): an international survey of current physiotherapy practice. Physiotherapy 2019;109:111–120. doi:10.1016/j.physio.2019.05.002
  6. physioswiss – Schweizer Physiotherapie Verband. Bewegung und Training. physioswiss.ch

Fachliteraturangaben teils recherchiert über PubMed.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information auf Grundlage der evidenzbasierten Medizin und ersetzt keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Er enthält keine individuelle Behandlungsempfehlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Physiotherapeutin. Im medizinischen Notfall gilt in der Schweiz die Nummer 144.